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Rezension "Tödlicher Tanz" von Sophie Richmond

Tödlicher Tanz: Thriller - Sophie Richmond

Die Zwillinge Ida und Mara sind an einer renommierten Ballettschule angenommen worden. Als kurz nach ihrer Ankunft eine Schülerin ermordet wird, bekommt es Ida mit der Angst zu tun.

 

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der 15-jährigen Ida erzählt. Leider konnte ich mit trotz der Ich-Perspektive nicht wirklich in die Protagonistin hineinfühlen. Es wird zwar geschildert, was sie tut und was sie denkt, ihre Gefühle kamen für mich jedoch nicht rüber. Wenn sie beispielsweise etwas Erschreckendes erlebt, wird zwar kurz erwähnt, dass sie Angst hat, im nächsten Satz kommt ihr jedoch etwas anderes in den Sinn und die Angst ist vergessen. Ausserdem erschien sie mir recht oberflächlich und Ich-zentriert. Nichts Ungewöhnliches für einen Teenager, sympathisch wurde sie mir dadurch jedoch nicht. Aufgrund der Perspektivenwahl blieben auch die anderen Figuren blass, da der Leser nur das mitbekommt, was Ida sieht. Viele der Figuren erschienen hölzern und klischeehaft und liessen Lebendigkeit vermissen.

 

Die Handlung konzentriert sich stark auf das alltägliche Leben an der Ballettschule, und lässt den Mordfall, der sich gleich zu Beginn der Geschichte ereignet, am Rande stehen. Gerade dieses Alltagsleben erschien mit jedoch sehr unrealistisch. Die Schülerinnen der Ballettschule scheinen teilweise noch sehr jung zu sein (einmal wird eine Schülerin mit Zahnlücke erwähnt, die sollte dementsprechend wohl noch keine 10 Jahre alt sein), herkömmlicher Schulunterricht scheint jedoch keiner stattzufinden, lediglich Ballettunterricht. Eine seriöse Sportschule sollte jedoch wissen, dass eine vernünftige Grundbildung sehr wichtig ist, da es erstens nicht jeder Absolvent zum Profitänzer schafft und zweitens die Karriere als Profisportler zeitlich sehr beschränkt ist. Ausserdem fällt es mir etwas schwer zu glauben, dass ein Spitzensportler (und wer eine solche Sportschule besucht, darf wohl als solcher bezeichnet werden) neun Uhr morgens als „früh“ fürs Training bezeichnen würde. Auch im Zusammenhang mit dem erwähnten Mord wird „Tödlicher Tanz“ leider nicht realistischer. Die Polizei scheint sich ausser einer Befragung von Ida (als Minderjährige ohne Beisein ihrer Eltern, womit die Antworten in den meisten Rechtsstaaten vor Gericht nicht verwendbar wären) kaum um den Mord zu kümmern, die Leiche wird schon wenige Tage nach der Tat zur Beerdigung freigegeben und weitere Untersuchungshandlungen scheinen keine stattzufinden. Auch die Schule lässt Ida ganz alleine, da kommt keine Vertrauenslehrerin auf sie zu, um mit ihr über das Geschehene zu sprechen, und es ist selbstverständlich, dass sie gleich am nächsten Tag wieder hochkonzentriert am Unterricht teilnehmen soll. Unter diesen Umständen überrascht es kaum, dass mehrere Schüler mit dem Tod bedroht werden, sich aber keiner von ihnen an einen Lehrer oder gar die Polizei wendet…

 

Anhand der Sprache merkt man, dass es sich bei der Autorin Sophie Richmond um eine noch sehr junge Autorin handelt. Die verwendeten Sätze sind kurz und einfach gehalten, der Satzbau ist teilweise etwas holprig, vor allem die Dialoge klingen unnatürlich gestelzt, das Vokabular wirkt etwas eingeschränkt, was zu vielen Wiederholungen führt.

 

Das Thema, Mord an einer Ballettschule, klingt an sich durchaus interessant. Leider hat die Autorin für das Genre die falschen Schwerpunkte gesetzt, wodurch der Ballett-Thriller zwar viel vom Ballett und von Teenagerliebschaften erzählt, jedoch den Thrill vermissen lässt und mich dadurch nicht packen konnte. Der Täter wird zum Schluss einfach aus dem Hut gezaubert und die Motive präsentiert, ohne dass sich das Buch wirklich mit dem Mord befasst hätte. „Thriller“ ist hier also definitiv die falsche Bezeichnung, „Teenagerromanze“ würde es wohl besser treffen.

 

Mein Fazit

Leider ist der Thriller unrealistisch und ihm fehlt der Thrill, die Spannung.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/04/todlicher-tanz.html