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Rezension "Pearl Nolan und der tote Fischer" von Julie Wassmer

Pearl Nolan und der tote Fischer: Ein Krimi von der englischen Küste - Julie Wassmer, Sepp Leeb

Pearl Nolan besitzt nicht nur ein kleines Restaurant, das sich auf Austern spezialisiert hat, sondern auch ein Detektivbüro. Nachdem kurz nacheinander nicht nur der Mann, den sie beschatten soll, sondern auch der Auftraggeber stirbt, kann sie nicht an einen Zufall glauben.

 

Die Geschichte wird in erster Linie in der dritten Person aus der Sicht von Pearl Nolan erzählt, die dem Buch auch den Titel gibt. Pearl konnte mich nicht absolut begeistern, ich mochte sie aber genug, um sie als Protagonistin wertschätzen zu können, auch wenn ich sie in gewissen Situationen eher nervig fand. Der Schreibstil der Autorin Julie Wassmer lässt sich flüssig lesen, sodass sich das Buch auch gut als Balkonlektüre für den Sommer eignet.

 

Neben dem Kriminalfall nimmt Pearls Privatleben einen grossen Platz ein, eigentliche Ermittlungshandlungen, die man verfolgen könnte gibt es zudem kaum. Wer auf der Suche nach einem Krimi ist, bei dem sich alles um den Fall und die Ermittlungen dreht, wird mit diesem Buch nicht glücklich. „Pearl Nolan und der tote Fischer“ ist ein klassischer Regiokrimi, bei dem auch die Umgebung eine grosse Rolle spielt. Die Handlung ist schön in die englische Küstenregion eingebettet, teilweise bildete ich mit ein, Salz und Seetang zu riechen während der Lektüre… Auch das Kochen und Essen spielt eine grosse Rolle, so erfährt der Leser das eine oder andere über englische oder italienische Fischgerichte.

 

Das Tempo ist ziemlich gemütlich, grosse Action gibt es hier nicht. Die Auflösung ist einerseits zwar recht vorhersehbar, enthält dann aber doch einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Dies vor allem, da der Fall nicht durch Ermittlungen, sondern mehr durch Zufall gelöst wird und der Leser ohne „Lösungsweg“ und ohne vorherige Hinweise plötzlich vor dem Resultat steht. Der Schwerpunkt bei diesem Buch liegt eindeutig nicht auf den Kriminalfall, sondern auf der Umgebung und auf dem Privatleben der Figuren.

 

Mein Fazit

Gemütlicher Krimi mit viel Küstenstimmung und Schwerpunkt auf dem „Drumherum“

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/08/pearl-nolan-und-der-tote-fischer.html

Rezension "Lügenmauer" von Barbara Bierach

Lügenmauer. Irland-Krimi: Kriminalroman (Ein Emma-Vaughan-Krimi, Band 1) - Barbara Bierach

Im irischen Sligo wird ein pensionierter Militärpfarrer ermordet. Hat der Mord religiöse Gründe, steckt die IRA dahinter oder ist das Motiv im Privatleben des Ermordeten zu suchen?

 

Die Handlung ist in drei Stränge aufgeteilt, die zu verschiedenen Zeiten spielen. Schon bald konnte ich erahnen, wie die drei Stränge zusammenhängen, was dann auch bestätigt wurde. Der Hauptstrang wird dabei aus der Sicht der Polizistin Emma erzählt, die beiden anderen aus der Sicht zwei anderer auf gewisse Art am Fall beteiligten Frauen. Das Erzähltempo ist eher geruhsam, wer atemberaubende Spannung sucht wird hier nicht glücklich.

 

Mit der Hauptprotagonistin Emma wurde ich nicht wirklich warm. Sie ist tablettenabhängig, stellt das aber nie in Frage und sieht auch kein Problem darin. Zudem ist sie immer schlecht gelaunt und allgemein ziemlich unfreundlich. Ich glaube nicht, dass ich mit ihr gut auskommen würde. Auch die anderen Figuren waren mir mit wenigen Ausnahmen nicht wirklich sympathisch.

 

Etwas gestört hat mich das ewige Herumgereite auf der Religion der Beteiligten. Immer wieder wird erwähnt, dass dieser und jener protestantisch sei, die andere aber Katholikin. Dass dies Mitte des 20. Jahrhunderts noch eine grosse Rolle spielte glaube ich gerne, aber das Buch spielt 2005. Ist Irlands „Normalbevölkerung“ wirklich noch so versessen auf die Religion?

 

Während die Eigenheiten der irischen Bevölkerung eine grosse Rolle im Buch spielen, gerät die wunderschöne irische Landschaft ziemlich in den Hintergrund. Wer in Gedanken über satte grüne Wiesen streifen will, sollte sich anderweitig umsehen. Dafür enthält der Krimi aber sehr viele interessante Informationen über die neuere irische Geschichte, die die gesamte Handlung in einen komplexen Kontext setzen.

 

Die Stimmung ist recht düster gehalten, als „Feelgood-Lektüre“ eignet sich „Lügenmauer“ daher nicht wirklich. Trotz der nicht wirklich grossen Spannung hat mich der Krimi aber ordentlich unterhalten und zum Nachdenken gebracht.

 

Mein Fazit

Geruhsamer Krimi mit nicht wirklich sympathischen Figuren.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/07/lugenmauer.html

Rezension "Night Falls - Du kannst dich nicht verstecken" vonn Jenny Milchman

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken: Thriller - Jenny Milchman, Marie Rahn

Sandy führt von aussen betrachten ein perfektes Leben und lebt mit Mann, Tochter und Hund in einem grossen Haus. Als zwei Gefängnisausbrecher in ihr Haus eindringen und die Familie als Geiseln nehmen, verändert sich diese perfekte Welt, denn einer der Einbrecher ist kein Unbekannter für Sandy…

 

Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt. Die Hauptprotagonisten sind Sandy und der im Klappentext erwähnte Einbrecher, aber auch andere Figuren kommen zur Sprache, bis hin zum Familienhund (kein Witz, einige Kapitel werden tatsächlich aus der Sicht des Hundes McLean beschrieben). Dabei wird die Geschichte in zwei Handlungsstränge aufgeteilt, einer spielt in der Gegenwart und beschreibt die Geiselnahme, der andere in der Vergangenheit und erklärt, woher sich Sandy und der Einbrecher kennen und wie es zu der Tat kam. Nach jedem Kapitel gibt es einen Perspektiven- und öfters auch gleich Szenenwechsel. Dies hat es mir etwas schwer gemacht, so richtig in die Geschichte einzutauchen, da ich mich alle paar Seiten wieder rausgerissen fühlte.

 

Was das im Klappentext angedeutete Verhältnis zwischen Sandy und einem der Einbrecher anbelangt, wird leider schon sehr früh klar, woher die beiden sich kennen. Die Autorin Jenny Milchman versuchte da wohl, geheimnisvoll zu bleiben, für mich war es jedoch ab dem ersten Hinweis offensichtlich, was auch etwas auf die Spannung geschlagen hat. Die Beziehung zwischen den Beiden bildet das Hauptthema des Buchs, womit das Erzähltempo ziemlich geruhsam bleibt. Der Einbruch bildet zwar die eigentliche Rahmenhandlung, der thematische Kern ist dann aber doch eine Art Beziehungsdrama.

 

Die Protagonistin Sandy erschien mir zu Beginn ziemlich hysterisch (welche erwachsene Frau wartet im Winter vor der Haustüre, wenn Ehemann und Tochter nach ihrem Arbeits-/Schultag nach Hause kommen?), was im Laufe der Geschichte nur bedingt gebessert hat. Auch in Sachen Kindererziehung sollte sie es eigentlich besser wissen, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt. Die anderen Figuren waren mit entweder recht bis zutiefst unsympathisch, oder ich erfuhr zu wenig von ihnen, um mir eine wirklich Meinung bilden zu können.

 

Der Schreibstil der Autorin ist mir weder im positiven noch im negativen Sinn besonders aufgefallen. Das Buch liess sich flüssig lesen, auch wenn für meinen Geschmack die Passagen über den Einbruch und die Geiselnahme etwas gar langatmig geraten sind und Spannung eher bei den Rückblicken aufkam.

 

Mein Fazit

Stellenweise etwas gar langatmig und mehr Familiendrama als Thriller. 

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/07/night-falls-du-kannst-dich-nicht.html

Rezension "Verflixt & unsichtbar: Mission undercover" von Jana Himmel

Verflixt und unsichtbar: Mission Undercover (Laura Sand 1) - Jana Himmel
Laura ist Privatdetektivin. Bei ihren Job hilft ihr ihre Spezialfähigkeit enorm: sie kann sich unsichtbar machen. Doch dies bringt ihr nicht nur Vorteile, vor allem, nachdem ein von ihr beschatteter Mann ermordet wird.


Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Laura erzählt. Dies führt dazu, dass der Leser sehr genaue Einblicke in ihre Gedankenwelt erhält, aber damit bleiben auch die anderen Figuren etwas blass, da natürlich nur ihr von aussen wahrnehmbares Verhalten sowie Lauras Meinung über sie dem Leser mitgeteilt werden kann. Laura selbst erschien mir manchmal etwas zu teenagerhaft, immerhin ist sie doch eine erwachsene, wenn auch noch junge Frau, bei der ich ein etwas „erwachseneres“ Gefühlsleben erwartet hätte. Dennoch war mir Laura durchaus sympathisch.


Neben dem Kriminalfall selbst spielt auch Lauras Privatleben eine grosse Rolle. Nach meinem Eindruck wird der Platz etwa hälftig aufgeteilt, also erhalten Ermittlungen und Privatleben ungefähr gleich viel Platz. Dabei legt die Autorin Jana Himmel viel Wert auf Humor, das Buch bietet also mehr Lacher als atemberaubende Spannung. Lediglich im finalen Showdown, der den Fall sehr überraschend auflöst, kommt wirklich Spannung auf. Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig, sodass die wenigen Seiten schnell durchgelesen sind. Da das Buch als „Chick-lit Krimi“ verkauft wird, spielt natürlich auf die Interaktion mit der Männerwelt eine Rolle, da hat mir aber etwas das Knistern zwischen Laura und ihrem „Love Interest“ gefehlt. Ich hoffe, dass sich das in den zu erwartenden Nachfolgebänden noch bessert.


Trotz der etwas fehlenden Spannung hat mich das Buch sehr gut unterhalten. Es eignet sich wunderbar als „Zwischendurch-Lektüre“ für eher entspannende als anregende Stunden ohne grossen Anspruch. Wer Unterhaltung mit viel Humor und etwas Spannung sucht, ist mit diesem Buch gut bedient. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass die Zielgruppe ganz klar junge Frauen und weibliche Teenager sind, wie man schon am Cover unschwer erkennen kann.


Mein Fazit

Nicht übermässig spannend, aber dennoch witzig und unterhaltsam. 
Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/07/verflixt-und-unsichtbar-mission.html

Rezension "Tödlicher Mittsommer" von Viveca Sten

Tödlicher Mittsommer Roman ; [Thomas Andreassons Erster Fall] - Viveca Sten, Dagmar Lendt

Auf Sandhamn wird die Leiche eines Ertrunkenen angespült. Die Polizei glaubt zunächst an einen Unfall, bis es noch weitere Tote gibt…

 

„Tödlicher Mittsommer“ ist der erste Krimi um den Polizisten Thomas Andreasson (ich will ihn immer Thomas Andersson nennen, wie „Neo“ im Film „Matrix“). Neben dem Kriminalfall spielt auch das Privatleben von Thomas und seiner besten Freundin Nora eine grosse Rolle, sodass die eigentlichen Ermittlungen beinahe in den Hintergrund treten. Die beiden Protagonisten Nora und Thomas sind mir beide sympathisch, daher kann ich mir gut vorstellen, auch noch weitere Bücher der Reihe zu lesen, auch wenn der Krimi-Aspekt für meinen Geschmack etwas gar wenig Platz bekommt. Die Insel Sandhamn (Sandö) spielt ebenfalls eine grosse Rolle, sodass „Tödlicher Mittsommer“ klassische Regionalkrimi-Züge aufweist. Leider sind die Figuren etwas gar Klischeehaft gezeichnet, so sind die Protagonisten alle gutaussehend und einigermassen wohlhabend und die Touristen alles laute, lärmige Störenfriede (obwohl: wer in Stockholm lebt und auf den Schären ein Ferienhäuschen hat, ist dort ja eigentlich auch Tourist, oder?)

 

Die Autorin Viveca Sten gibt dem Leser nur wenige Hinweise zum mitraten, die Lösung kommt schlussendlich überraschend, ohne dass man sie mit bisherigem Wissen hätte herleiten können (respektive: der entscheidende Hinweis kommt überraschend. Danach ist eigentliche Lösung sehr vorhersehbar). Der Schreibstil liest sich flüssig, sodass sich der Krimi gut nebenher lesen lässt, auch wenn die Sätze teilweise etwas gar einfach gehalten sind. Im Vergleich zu anderen skandinavischen Autoren schreibt Viveca Sten nicht übermässig düster, sodass auch Leser, die den skandinavischen Krimi eigentlich nicht so mögen, diesem Buch eine Chance geben können.

 

Wer ein atemberaubendes Tempo sucht oder sich beim Lesen ganz auf den Kriminalfall konzentrieren möchte, wird mit „Tödlicher Mittsommer“ nicht glücklich. Wer aber gerne in Gedanken den Sommerurlaub auf den Stockholmer Schären verbringen und sich ganz nebenbei noch mit ein paar Morden befassen möchte, sollte sich dieses Buch mal ansehen.

 

Mein Fazit

Unterhaltsamer, aber nicht aussergewöhnlicher Krimi mit ansprechender Kulisse und Schwerpunkt auf dem „Drumherum“.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/07/todlicher-mittsommer.html

Rezension "The House of Silk" von Anthony Horowitz

The House of Silk - Anthony Horowitz

Der neue Klient von Sherlock Holmes fühlt sich verfolgt. Als einer der Strassenjungen, den Holmes auf den Verfolger angesetzt hat, ermordet wird, hat Holmes einen weiteren Fall aufzuklären, der weitaus grössere Dimensionen annimmt, als erwartet.

 

Der Schreibstil des Autors Anthony Horowitz orientiert sich stark an den originalen Sherlock-Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle. Wer also die Originale mag, wird sich wohl auch mit diesem Buch sofort wohlfühlen. Wie auch die Geschichten von Doyle wird auch „Das Geheimnis des weissen Bandes“ aus der Ich-Perspektive von Dr. Watson erzählt, der mehrere Jahrzehnte später auf die damaligen Ereignisse zurückblickt. Dabei trifft der Autor die viktorianische Stimmung jedoch nur oberflächlich betrachtet. Viele der Ansichten von Holmes und Watson sind eindeutig zu modern und aus unserer Zeit übernommen, zudem sind die beiden etwas gar schockiert über gewisse Vorgänge in London, die zu dieser Zeit wohl vielleicht nicht jedem bekannt waren, aber einem Sherlock Holmes mit seinen Kontakten zur Unterwelt jedoch ganz sicher.

 

Wie bei einem klassischen Krimi üblich ist auch hier das Tempo eher geruhsam. Wer viel Action oder atemberaubende Spannung sucht, wird mit diesem Buch wohl nicht glücklich. Die Handlung ist interessant aufgebaut, wenn auch etwas überladen, da der Autor hier im Grunde zwei Geschichten in einem einzigen Buch verbindet. Während eine der beiden Teilhandlungen sehr gut zu Sherlock Holmes passt, konnte ich mich mit der zweiten nicht wirklich anfreunden. Eine grosse Verschwörung, bei der die halbe Stadt inklusive sehr hochrangiger Persönlichkeiten involviert ist – Sir Arthur Conan Doyle hätte eine solche Handlung wohl nicht verwendet.

 

Etwas gar auffällig sind die ständigen Anspielungen auf die ursprünglichen Geschichten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit lässt Anthony Horowitz Watson eines der originalen Abenteuer Holmes‘ erwähnen, fast so, als ob der dem Leser beweisen möchte, wie gut er sich als Autor mit dem Werk Doyles auskennt. Auch das Aufzählen respektive in die Geschichte einbauen praktisch jeder bekannteren Figur aus den Originalwerken (Lestrade, Mrs. Hudson, Mycroft, Moriarty, die Baker Street Irregulars) passt nicht unbedingt in die Geschichte, sondern wirkt eher nach „guckt mal, was ich alles weiss“. Aber als grosser Holmes-Fan kann ich über diese Kleinigkeiten grösstenteils hinwegsehen und habe es genossen, wieder einmal in die viktorianische Welt Holmes‘ einzutauchen.

 

Mein Fazit

Klassischer Krimi, der sich stark an den Originalen von Sir Arthur Conan Doyle orientiert. Für Fans von Sherlock Holmes unbedingt zu empfehlen.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.com/2016/06/das-geheimnis-des-weissen-bandes.html

Rezension "Der Kruzifix-Killer" von Chris Carter

Der Kruzifix Killer - Maja Rößner, Chris Carter

In Los Angeles wird eine Leiche gefunden, bei der alles auf den Serientäter "Kruzifix-Killer" zeigt. Doch dieser wurde bereits vor einiger Zeit gefasst, verurteilt und hingerichtet. Wurde damals ein Unschuldiger verurteilt? Detective Robert Hunter und sein neuer Partner Carlos Garcia verfolgen die spärlichen Spuren...

 

Zu Beginn ist die Geschichte recht verwirrend, was insbesondere daran liegt, dass der Autor Chris Carter chronologisch hin und her springt, weit in der Geschichte beginnt, fast zum Anfang hüpft, dann noch etwas weiter zurück und wieder etwas nach vorne. Sobald die Geschehnisse jedoch so richtig in Gang geraten sind, wird die Handlung chronologisch erzählt und ihr kann gut gefolgt werden.

 

Chris Carter legt grossen Wert auf die genaue (optische) Beschreibung seiner Figuren. Bei jeder Einführung einer neuen Figur erfolgt eine genaue Beschreibung von Körpergrösse, Haar- und Augenfarbe, besonderen körperlichen Merkmalen etc. Wenn er seine Mitmenschen auch so genau beschreiben kann, wäre der Autor wohl ein prima Zeuge. Im Gegensatz zur präzisen optischen Beschreibung werden die Figuren charakterlich jedoch eher eigenschaftslos dargestellt und bleiben blass und klischeehaft.

 

Der Schreibstil von Chris Carter ist unkompliziert (böse Stimmen könnten es auch "einfach gehalten" nennen) und liest sich flüssig. Die Perspektive wechselt in beinahe jedem Kapitel, mal wird die Geschichte aus der Sicht einer der Ermittler erzählt, mal aus der eines der Opfer oder eines weiteren Beteiligten. Dabei wird aber immer klar, wer hier gerade die Szene dominiert, sodass keine Verwirrung entsteht. Der Protagonist Robert Hunter konnte mich allerdings nicht komplett überzeugen. Hochintelligentes Wunderkind, sportlich, attraktiv und trotz ungesundem Lebenswandel topfit - einfach zu perfekt erschien er mir. Einige kleine "Fehler" hätte den Charakter glaubwürdiger erscheinen lassen.

 

Die Handlung ist spannend aufgebaut, allerdings wissen die Ermittler teilweise mehr, als dem Leser mitgeteilt wird. So versucht der Autor wohl, das Miträtseln zu erschweren, wobei jedoch leider der Klappentext zu viel offenbart (was dem Autor aber nicht angelastet werden kann). Einige Einzelheiten werden zudem überaus unrealistisch dargestellt (Stichwort Todesstrafe: zwischen Verhaftung und Vollstreckung des Todesurteils des vermeintlichen "Kruzifix-Killers" sollen weniger als eineinhalb Jahre vergangen sein? In China vielleicht, aber nicht in den USA...) „Der Kruzifix-Killer“ enthält einige ziemlich unappetitliche Szenen, mit Blut und Innereien geizt der Autor nicht. Das Buch ist also nichts für sensible Leser. 

 

Wer wie ich gerne blutige Thriller mag, ist mit Chris Carter gut bedient. Da "Der Kruzifix-Killer" der erste Thriller um Detective Robert Hunter ist, eignet er sich ideal, um in die Reihe einzusteigen. Hohe Literatur oder ein aussergewöhnliches Werk darf allerdings nicht erwartet werden, das Buch erschien mir eher als durchaus spannende und unterhaltsame Massenware. 


Mein Fazit
Spannend und ziemlich brutal, jedoch nicht aussergewöhnlich.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/06/der-kruzifix-killer.html

Rezension "Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus

Schneewittchen muss sterben - Nele Neuhaus

Vor zehn Jahren wurde Tobias wegen Mordes an zwei Mädchen verurteilt. Kaum wird er entlassen und kehrt in sein Heimatdorf zurück, verschwindet erneut ein Mädchen. Hat Tobias wieder zugeschlagen, oder wurde er damals zu Unrecht verurteilt?

 

„Schneewittchen muss sterben“ ist der vierte Band der Krimi-Reihe um Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Ich habe zuvor bereits den dritten Band „Tiefe Wunden“ gelesen, konnte mich aber ehrlich gesagt nicht mehr gross daran erinnern. Das nur äusserst lückenhafte Vorwissen hat mich aber nicht vor Verständnisprobleme gestellt, das Buch lässt sich daher gut auch ohne Vorkenntnisse der Reihe lesen.

 

Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt, nicht nur aus der Sicht der Polizei, sondern auch aus der Sicht einzelner Beteiligter. Neben der Krimihandlung spielt auch das Privatleben der Ermittler eine grosse Rolle, sowohl Kirchhoff wie Bodenstein haben in diesem Krimi mit ihren privaten Dramen zu kämpfen. Leider schaffte es die Autorin Nele Neuhaus nicht, mir die beiden Akteure ans Herz wachsen zu lassen, so dass mir ihre Probleme ziemlich egal blieben. Auch die weiteren Figuren blieben im Laufe des Romans ziemlich blass und klischeehaft überzeichnet.

 

Der Schreibstil der Autorin Nele Neuhaus ist eher einfach gehalten und lässt sich flüssig lesen. Die Handlung ist sehr komplex gestrickt, sogar etwas zu komplex für meinen Geschmack. Zu viele Personen, zu viele Schauplätze, zu viele Nebenhandlungen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich den Überblick verloren. Jede neue Figur wird mit Vor- und Nachnamen erwähnt und präzise beschrieben, selbst wenn sie ansonsten nur in einem Satz erwähnt wird. Nebenhandlung reiht sich an Nebenhandlung, besonders auf den letzten paar Seiten erschien der Autorin die Auflösung wohl noch zu wenig komplex, sodass sie noch einen weiteren Handlungsstrang hineinstrickte. Ein paar Wendungen weniger hätten es auch getan, und die Geschichte wäre dabei etwas leichter verständlich geblieben.

 

Mein Fazit

(Sogar etwas zu) komplexer Kriminalroman mit klischeehaften Figuren. Durchaus unterhaltsam, aber kein Must-read.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2015/11/schneewittchen-muss-sterben.html

Rezension "Deiner Seele Grab" von Inge Löhnig

Deiner Seele Grab: Kommissar Dühnforts sechster Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi) - Inge Löhnig

In München werden Senioren ermordet. Was hat es mit dem „Samariter“ auf sich, glaubt er wirklich, die alten Menschen durch die Morde zu erlösen?

 

„Deiner Seele Grab“ ist der sechste Band der Krimireihe um den Münchner Kommissar Tino Dühnfort. Ich habe nicht alle vorhergehenden Bände gelesen (lediglich den ersten und den neusten Band, der nach „Deiner Seele Grab“ spielt“) was aber für das Verständnis der Krimihandlung keine Rolle spielte.

 

Wie für diese Buchreihe typisch, wird die Handlung aus wechselnder Perspektive erzählt. Neben dem Protagonisten Dühnfort wird auch die Sicht seiner Kollegin Kirsten und die von zwei mit der Tat zusammenhängenden Frauen, Anjela und Clara, verwendet. Ich mag diese wechselnden Perspektiven, da ich so nicht nur den polizeilichen Blick, sondern auch gewisses Insiderwissen erhalte. Neben dem Kriminalfall spielt auch das Privatleben aller Beteiligten eine grosse Rolle, und hier merkte ich, dass mir etwas Vorwissen fehlte. Dennoch konnte ich auch den Nebenhandlungen gut folgen.

 

Der Schreibstil der Autorin Inge Löhnig liest sich flüssig, sodass ich das Buch in wenigen Stunden verschlungen hatte. Die Handlung ist in sich logisch, aber auch recht vorhersehbar, ich wusste ungefähr in der Mitte des Buches, wer der Täter und was sein Motiv war. Dies tat aber überraschenderweise der Spannung keinen grossen Abbruch, ich habe auch die zweite Buchhälfte mit viel Vergnügen gelesen, um herauszufinden, ob ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Wer Blut und Gewalt sucht, wird mit dieser Buchreihe nicht glücklich, hier spielt die psychologische und gesellschaftskritische Seite eine viel grössere Rolle. Hierzu möchte ich anmerken, dass Inge Löhnig etwas gar viel in ihr Buch hineinzupressen versuchte. Pflegenotstand, Erbstreitigkeiten und sogar Menschenhandel sind nur einige der Themen, die die Autorin hier anspricht. Weniger wäre wohl auch hier mehr gewesen.

 

Mein Fazit

Eine klare Empfehlung für Fans von deutschen Krimis ohne viel Blut. Ich werde die weiteren Bände der Reihe mit Sicherheit auch noch lesen.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2015/11/deiner-seele-grab.html

Rezension "Erbarmen" von Jussi Adler-Olsen

Erbarmen - Jussi Adler-Olsen

Nachdem eine Ermittlung jemandem in seinem Team das Leben gekostet und einen anderen an den Rollstuhl gefesselt hat, wird der dänische Kriminalhauptkommissar Carl Mørck als Leiter in das neu gegründete Sonderdezernat Q versetzt, wo er „kalte Fälle“ erledigen soll, die schon seit Jahren ungelöst herumliegen. Ihm zur Seite steht der Syrer Assad, als Putzhilfe und auch als Hilfsermittler.

 

„Erbarmen“ ist der erste Thriller (so wird das Buch vom Verlag bezeichnet, in meinen Augen ist es aber eigentlich ein Krimi, der „Thrill“ war weitgehen nicht vorhanden) um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q und auch meine erste Begegnung mit ihm. Besonders sympathisch war mir der Ermittler nicht, er erschien mir ziemlich überheblich, gelangweilt und unmotiviert, aber ich denke, dass Sympathie auch nicht unbedingt das Ziel des Autors Jussi Adler-Olsen war. Die Idee, einen missliebigen Kommissar mit ungelösten Fällen in den Keller zu stecken, weil man ihn sonst nicht los wird, ist nicht neu, aber um einen spannenden Kriminalroman zu schreiben müssen die zu lösenden Fälle ja nicht zwingend erst vor zwei Stunden passiert sein.

 

Der Schreibstil von Jussi Adler-Olsen lässt sich flüssig lesen, ist ziemlich nüchtern und kommt ohne grosse Beschreibungen aus. Wer ausschweifende Schilderungen der dänischen Landschaft sucht, ist hier also fehl am Platz. Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt, einerseits aus der Sicht des Ermittlers Carl Mørck und andererseits aus der Sicht der Politikerin Merete Lynggaard, wobei der zweite Strang rund 5 Jahre vor dem ersten beginnt und rückblickend erzählt wird. Der Handlungsstrang um Mørck konzentriert sich auf die Ermittlungen. Das Privatleben des Ermittlers wird zwar einige Male kurz angerissen, spielt aber keine wesentliche Rolle in der Geschichte. Ich bevorzuge meine Krimis auf diese Art, aber wer sich bei der Lektüre auch gerne in das Privatleben der Ermittler versetzt, wird hier wohl zu kurz kommen. Die Charakterzeichnung scheint nicht unbedingt das Talent des Autors zu sein, seine Figuren bleiben im Grunde blosse klischeehaft gezeichnete Namen ohne Hintergrund oder Entwicklung.

 

Der Kriminalfall selber ist nicht wirklich aussergewöhnlich und eigentlich auch recht unplausibel. Die Auflösung ist leider ziemlich vorhersehbar. Trotzdem hat mich „Erbarmen“ gut unterhalten, Überraschungen dürfen jedoch keine erwartet werden.

 

 

Fazit

Solide Krimi-Kost, die wenig Neues bringt, aber trotzdem gut unterhält (meine Wertung beschreibt wie immer den Unterhaltungsfaktor, nicht die Qualität des Inhalts). Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterhin verfolgen und empfehle „Erbarmen“ gerne an Krimi-Fans, die auch von Romanen ohne grosse Überraschungen nicht enttäuscht sind und mit klischeehaften Figuren zurechtkommen. 

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2015/07/erbarmen.html

Rezension "Monday Club - Der zweite Verrat" von Krystyna Kuhn

Monday Club. Der zweite Verrat: Band 2 - Krystyna Kuhn, Carolin Liepins
Faye taucht immer tiefer in die Machenschaften des „Monday Club“ ein und merkt, dass dieser vor nichts zurückschreckt, um seine Geheimnisse zu wahren. 
 
„Der zweite Verrat“ wird durch eine relativ ausführliche Zusammenfassung der Geschehnisse aus dem ersten Band eingeleitet. So kann das Buch theoretisch auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Ich empfehle trotzdem, die Trilogie in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen, da sie nicht drei abgeschlossene Geschichten, sondern eine auf drei Bände aufgeteilte Gesamthandlung erzählt. Die Zusammenfassung empfand ich als sehr hilfreich um meine Erinnerung aufzufrischen, da die Lektüre des ersten Bandes doch schon einige Monate zurücklag. Da die Zusammenfassung in einem gut markierten eigenen Kapitel dargestellt wird, kann sie auch einfach übersprungen werden, wenn sie nicht gebraucht wird.
 
Wie auch der erste Band der Reihe wird „Der zweite Verrat“ zu einem grossen Teil aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Faye erzählt. Dazwischen werden immer wieder Kapitel aus der Beobachterperspektive eingeschoben mit Szenen, in den Faye nicht vorkommt. So erfährt der Leser mehr über die Geschehnisse und weiss Dinge, die Faye wohl erst im Abschlussband klar werden. Bei diesen Kapiteln, die das Vorgehen des „Monday Club“ behandeln, bleibt jedoch immer noch vieles im Dunkeln, beispielsweise werden oft nur die Pronomen er oder sie verwendet, sodass nicht immer klar ist, um wen es sich nun genau handelt und wer alles involviert ist. Wie ich schon zum ersten Band bemängelt habe, bleiben auch im zweiten Band der Reihe die Figuren eher blass, die Hintergründe und Motive der Charaktere bleiben im Dunkeln. 
 
Langsam werden die Umstände des titelgebenden „Monday Club“ etwas klarer, auch wenn immer noch viele Fragen offen bleiben und neue dazukommen, die hoffentlich im Abschlussband der Reihe geklärt werden. Die unheimliche Grundstimmung, die mich bereits im ersten Band der Reihe überzeugen konnte, prägt auch hier die Geschichte. Der Schreibstil der Autorin Krystyna Kuhn lässt sich locker und flüssig lesen, sodass ich das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen habe (mit rund 350 Seiten gehört es auch eher zu den kürzeren Büchern). Auch den zweiten Band der Reihe beendet die Autorin offen, sodass die Lektüre des Abschlussbandes zwingend nötig ist, um die komplette Geschichte verstehen zu können. Der Mystery-/Fantasyanteil wächst in diesem Band zusehens, während der Krimiaspekt in den Hintergrund tritt. Konnte ich den ersten Band noch nicht wirklich einem Genre zuordnen, würde ich mich mittlerweile auf Fantasy-Thriller festlegen. 
 
Ein Glossar der verwendeten medizinischen Begriffe und eine im inneren Umschlag integrierte Karte von Bluehaven runden die Geschichte ab und bieten dem Leser wertvolle Orientierungshilfen. 
 

Mein Fazit

Schön unheimliche Grundstimmung, und langsam kommen auch die ersehnten Antworten. Ich freue mich schon auf den Abschlussband.
Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/05/monday-club-der-zweite-verrat.html

Rezension "Venezianische Schatten" von Daniela Gesing

Venezianische Schatten: Luca Brassonis dritter Fall (Ein Luca-Brassoni-Krimi 3) - Daniela Gesing

In Venedig werden immer wieder junge blonde Frauen entführt. Als eine der Frauen wieder auftaucht, haben Luca Brassoni und sein Team erstmals eine heisse Spur.

 

„Venezianische Schatten“ ist bereits der dritte Krimi um den Polizisten Luca Brassoni. Die beiden Vorgänger kenne ich nicht, konnte der Handlung aber ohne Probleme folgen. Vorkenntnisse sind daher zum Verständnis nicht erforderlich, auch wenn teilweise auf Ereignisse in den Vorgängern angespielt wird. Allerdings hatte ich etwas Mühe, die vielen Personen auseinanderzuhalten. Vielleicht wäre mir dies einfacher gefallen, wenn ich die Vorgänger auch gelesen und damit mehr Zeit gehabt hätte, die Figuren kennenzulernen.

 

Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt, nicht nur die verschiedenen Ermittler werden begleitet, sondern auch der Täter und die Opfer. Die Szenenwechsel kamen mir teilweise etwas zu abrupt vor, insbesondere, da diese in meiner eBook-Ausgabe nicht immer durch einen neuen Abschnitt mit vorangehender Leerzeile gekennzeichnet wurden.

 

Der Schreibstil der Autorin Daniela Gesing lässt sich flüssig lesen und mit weniger als 300 Seiten bietet der Krimi nicht allzu viel Handlung. So hat man das Buch schnell durch und es kommt nicht zu Langeweile. Denn obschon „Venezianische Schatten“ durchaus unterhält, so bietet das Buch doch wenig Neues oder Überraschendes. Durch die Kürze kommt der Leser jedoch gar nicht dazu, einen grossen „Paukenschlag“ zu vermissen.

 

Wer in seinen Krimis gerne die Ermittler bei der Arbeit begleitet, wird hier wohl etwas zu kurz kommen. Die eigentlichen Ermittlungen finden in Hintergrund statt und werden kaum erwähnt, die Lösung des Falles gelingt nur durch Zufall. Normalerweise stört mich das, aber hier fand ich das Zusammenspiel der Figuren und die venezianische Kulisse ansprechend genug, um darüber hinwegzusehen.

 

Wer etwas Aussergewöhnliches sucht oder atemberaubende Spannung erwartet, ist bei „Venezianische Schatten“ am falschen Ort. Das Buch bietet „nur“, aber immerhin gute Krimi-Unterhaltung ohne Überraschungen, aber auch ohne Langeweile. Perfekt für einen gemütlichen Lese-Nachmittag für Krimifreunde oder als Urlaubslektüre.

 

Mein Fazit

Unterhaltsamer Krimi mit ansprechender Kulisse

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/05/venezianische-schatten.html

Rezension "Sicht Unsichtbar" von Gabriela Kasperski

Sicht Unsichtbar: -der dritte Fall für Schnyder und Meier - Gabriela Kasperski
Als ein Gundstückeigentümer erschlagen aufgefunden wird, gerät sofort das geplante Luxus-Resort VillageGreen in den Fokus, schliesslich sollte das Resort unter anderem auf dem Gelände des Toten zu stehen kommen. Wollte er sein Land nun doch nicht verkaufen, oder versucht jemand mit allen Mitteln, den Bau zu verhindern?
 
„Sicht unsichtbar“ ist bereits der dritte Krimi um den Polizisten Werner Meier und seine Lebenspartnerin Zita Schnyder. Die beiden vorhergehenden Bände kenne ich (noch) nicht, konnte der Handlung aber dennoch gut folgen. Vorkenntnisse sind daher nicht zwingend nötig. Es wird jedoch immer wieder auf die Geschehnisse aus den vorhergehenden Bänden angespielt, die Lektüre in der vorgesehenen Reihenfolge wäre daher immerhin nützlich.
 
In der Geschichte werden mehrere Handlungsstränge parallel erzählt werden, daher wechseln die Szenen und damit die Perspektiven schnell und regelmässig. Da das Buch keine Kapitelunterteilung enthält und die mir zur Verfügung gestellte eBook-Version teilweise die Leerzeilen zwischen den Abschnitten weggelassen hat, waren mit die Szenenwechsel oft zu abrupt, da ich manchmal erst nach mehreren Sätzen bemerkt habe, dass es hier um etwas anderes geht als noch wenige Zeilen zuvor.
 
Von den vielen Figuren, bei denen ich zu Beginn etwas Mühe hatte, sie zu unterscheiden, war mir keine uneingeschränkt sympathisch. Vom frischgebackenen Vater, der es als selbstverständlich sieht, dass sich die Mutter nachts um das Baby kümmert, damit er in Ruhe weiterschlafen kann (und sie dann in Gedanken als faul bezeichnet, wenn sie morgens müde ist) über den Unternehmer, der lügt und betrügt um zu Geld zu kommen bis zum Ranger, der als Aussteiger in seiner eigenen esoterischen Welt lebt und mit Störchen spricht wird kaum ein denkbares Klischee ausgelassen. So konnte ich mich zwar problemlos über die Figuren amüsieren oder mich über sie aufregen, aber mich nicht wirklich mit ihnen anfreunden. Der Fokus der Geschichte liegt in meinen Augen etwas zu stark auf den Figuren und ihrem Privatleben, sodass der Kriminalfall doch recht in den Hintergrund rutscht.
 
Die Handlung ist durchaus spannend aufgebaut, wenn auch etwas vorhersehbar. Grosse Überraschungen gibt es keine, dennoch war die Lektüre von „Sicht unsichtbar“ recht unterhaltsam. Auch das „Regio-Feeling“ kam nicht zu kurz. Von typisch schweizerischen Namen wie Vreni und Gritli (auch hier wieder: Klischee!) über den typischen politischen Vorgehen wie der Gemeindeversammlung bis zum schweizerdeutschen Fluchen ist alles vorhanden.
 

Mein Fazit

Unterhaltsamer Schweizer Regio-Krimi für alle, die es etwas gemütlicher mögen und den Fokus lieber auf den Figuren als auf dem Mordfall sehen.
Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/05/sicht-unsichtbar.html

Rezension "Mörderische Wahrheiten" von Theresa Prammer

Mörderische Wahrheiten: Kriminalroman (Ein Carlotta-Fiore-Krimi, Band 2) - Theresa Prammer

Eine Schülerin wird ermordet aufgefunden, eine weitere vermisst. Die Umstände, unter denen das Opfer gefunden wurde, deuten auf den verurteilten Kindermörder Riedl hin – doch dieser ist vor wenigen Tagen gestorben. Hatte man damals den falschen verhaftet, oder ist hier ein Trittbrettfahrer am Werk?

 

„Mörderische Wahrheiten“ ist bereits der zweite Krimi um die ehemalige Opernsängerin und heutige Kaufhausdetektivin Carlotta Fiore, und das merkt man als Leser auch. Immer wieder gibt es Anspielungen auf die Geschehnisse im ersten Band, bereits aus dem Vorgänger bekannte Figuren werden nicht mehr wirklich vorgestellt. So konnte ich als Neueinsteigerin in die Reihe zwar dem Kriminalfall folgen, hatte aber ständig das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen. Interessierten empfehle ich daher, zunächst den ersten Band der Reihe, „Wiener Totenlieder“, zu lesen.

 

„Mörderische Wahrheiten“ wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Carlotta Fiore erzählt, unterbrochen von kurzen Abschnitten aus der Sicht der entführten Jugendlichen. Obschon Carlotta klar die „Heldin“ der Geschichte ist, hatte ich Mühe, mich mit ihr anzufreunden. Sie war mir nicht wirklich sympathisch, sondern schien mir in erster Linie auf sich selbst bezogen. Eine Alkoholikerin, die es nur bedingt schafft, trocken zu bleiben, die lügt und Dinge verschweigt, wie es ihr in den Kram passt und trotz ihrer Beziehung zu Hannes mit anderen Männern rummacht, wenn es ihr hilft, ihre Ziele zu erreichen. Einfach nicht mein Fall… (ich habe in einer Rezension gelesen, dass es zum Verständnis von Carlottas Handlungen Kenntnisse des Vorgängers benötigt. Vielleicht ist das mein Problem…)

 

Die Handlung selbst ist im Grunde spannend aufgebaut, lädt aber nicht zum Miträtseln ein. Über lange Zeit ist unklar, wer und was genau hinter den Taten steckt, Hinweise werden keine gestreut. Die Auflösung ist zwar in sich logisch und stimmig, kommt aber aus dem Nichts. Die Aufklärungsarbeit der Polizei (und auch von Carlotta) ist quasi inexistent, die Taten der Ermittlerin und der Polizei tragen nichts zur Auflösung bei. Bis zur Enttarnung gibt es keinerlei Hinweise auf den Täter.

 

„Mörderische Wahrheiten“ spielt ausschliesslich in Wien, das „Regionalkrimi-Feeling“ kommt aber erst im Laufe der Geschichte auf, wenn die Umgebung wichtiger wird. Die ersten rund zwei Drittel des Buches hätten ohne grössere Anpassungen auch sonstwo spielen können.

 

Mein Fazit

Durchaus unterhaltsam, aber die Auflösung kommt mir zu sehr aus dem Nichts.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/04/morderische-wahrheiten.html

Rezension "MINDEXX - Tödlicher IQ" von Katharina Stock

MINDEXX: Tödlicher IQ - Katharina Stock

Die 17-jährige Nathalie, die vor vier Jahren entführt wurde, taucht plötzlich wieder auf. Was ist mit ihr passiert?

 

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Nathalie erzählt. Dabei nutzt die Autorin Katharina Stock zwei verschiedene Erzählstränge, einen davon in der Gegenwart, in dem Nathalie wieder bei ihren Eltern wohnt, die Schule besucht und sich dabei mit ihrem Mitschüler Jan anfreundet. Im zweiten Erzählstrang schildert Nathalie Jan ihre Erlebnisse während der vier Jahre, in denen sie verschwunden war. Konsequenterweise endet der zweite Handlungsstrang dann auch da, wo der erste begonnen hat. Leider konnte mich Nathalie als Protagonistin nicht überzeugen. Durch die Ich-Perspektive sollte eigentlich eine Identifikation des Lesers mit der Protagonistin herbeigeführt werden, allerdings konnte ich ihr Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen. Nathalies Gefühle blieben mir das ganze Buch hinweg vollkommen unklar. Wieso hat sie sich nie wirklich gegen ihre Entführer aufgelehnt? War es Angst? Die wird zwar erwähnt, blieb aber für mich nicht wirklich fühlbar. Oder hat sie sich sogar im Sinne eines Stockholm-Syndroms mit den Entführern zu identifizieren begonnen? Davon wäre auch nicht viel zu merken gewesen, sie hat ihr Verhalten jedenfalls nie explizit verteidigt.

 

Das Handlungskonzept fand ich im Grunde sehr spannend, leider konnte mich aber die Umsetzung nicht überzeugen. Erst im letzten Buchviertel wird aufgeklärt, was überhaupt hinter den Entführungen steckte. Und dies nicht durch eine schrittweise Annäherung, die die Spannung geschürt hätte, sondern durch ein plumpes „Du, was sollte das Ganze eigentlich?“, „Ach, das war aus dem und dem Grund“. So war zwar durchaus eine gewisse Neugier bei mit bemerkbar, Spannung wollte aber nicht wirklich aufkommen. Auch der Klappentext hat da für meinen Geschmack schon zu viel verraten, der Hintergrund für die Entführungen war dadurch für mich alles andere als eine Überraschung. Und eine weitere Aufklärung, wieso gerade dieser Weg gewählt wurde, fehlt leider vollständig.

 

Der Schreibstil der Autorin Katharina Stock liess sich flüssig lesen, aber ein Element hat mich nach einer Weile ziemlich gestört: gefühlt alle zwei Seiten streicht sich jemand (meist die Protagonistin Nathalie) die Haare hinter die Ohren. Das scheint zwar ihr Markenzeichen zu sein, wie mal erwähnt wird, spätestens nach dem zehnten Mal ist es aber einfach nur noch nervig. Der Magnolia Verlag war mir bisher unbekannt, und ich muss leider sagen, dass ich ihn zumindest zurzeit auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Das Buch wurde leider nicht sorgfältig überarbeitet, mir sind mehrfach Druckfehler und fehlende Zeilenumbrüche/Leerzeilen aufgefallen. Das ist zwar nicht wirklich tragisch, stört aber doch etwas das Gesamtbild und wirkt unprofessionell.

 

Mein Fazit

Spannendes Grundkonzept, aber die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. 

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/04/mindexx-todlicher-iq.html

Rezension "Tödlicher Tanz" von Sophie Richmond

Tödlicher Tanz: Thriller - Sophie Richmond

Die Zwillinge Ida und Mara sind an einer renommierten Ballettschule angenommen worden. Als kurz nach ihrer Ankunft eine Schülerin ermordet wird, bekommt es Ida mit der Angst zu tun.

 

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der 15-jährigen Ida erzählt. Leider konnte ich mit trotz der Ich-Perspektive nicht wirklich in die Protagonistin hineinfühlen. Es wird zwar geschildert, was sie tut und was sie denkt, ihre Gefühle kamen für mich jedoch nicht rüber. Wenn sie beispielsweise etwas Erschreckendes erlebt, wird zwar kurz erwähnt, dass sie Angst hat, im nächsten Satz kommt ihr jedoch etwas anderes in den Sinn und die Angst ist vergessen. Ausserdem erschien sie mir recht oberflächlich und Ich-zentriert. Nichts Ungewöhnliches für einen Teenager, sympathisch wurde sie mir dadurch jedoch nicht. Aufgrund der Perspektivenwahl blieben auch die anderen Figuren blass, da der Leser nur das mitbekommt, was Ida sieht. Viele der Figuren erschienen hölzern und klischeehaft und liessen Lebendigkeit vermissen.

 

Die Handlung konzentriert sich stark auf das alltägliche Leben an der Ballettschule, und lässt den Mordfall, der sich gleich zu Beginn der Geschichte ereignet, am Rande stehen. Gerade dieses Alltagsleben erschien mit jedoch sehr unrealistisch. Die Schülerinnen der Ballettschule scheinen teilweise noch sehr jung zu sein (einmal wird eine Schülerin mit Zahnlücke erwähnt, die sollte dementsprechend wohl noch keine 10 Jahre alt sein), herkömmlicher Schulunterricht scheint jedoch keiner stattzufinden, lediglich Ballettunterricht. Eine seriöse Sportschule sollte jedoch wissen, dass eine vernünftige Grundbildung sehr wichtig ist, da es erstens nicht jeder Absolvent zum Profitänzer schafft und zweitens die Karriere als Profisportler zeitlich sehr beschränkt ist. Ausserdem fällt es mir etwas schwer zu glauben, dass ein Spitzensportler (und wer eine solche Sportschule besucht, darf wohl als solcher bezeichnet werden) neun Uhr morgens als „früh“ fürs Training bezeichnen würde. Auch im Zusammenhang mit dem erwähnten Mord wird „Tödlicher Tanz“ leider nicht realistischer. Die Polizei scheint sich ausser einer Befragung von Ida (als Minderjährige ohne Beisein ihrer Eltern, womit die Antworten in den meisten Rechtsstaaten vor Gericht nicht verwendbar wären) kaum um den Mord zu kümmern, die Leiche wird schon wenige Tage nach der Tat zur Beerdigung freigegeben und weitere Untersuchungshandlungen scheinen keine stattzufinden. Auch die Schule lässt Ida ganz alleine, da kommt keine Vertrauenslehrerin auf sie zu, um mit ihr über das Geschehene zu sprechen, und es ist selbstverständlich, dass sie gleich am nächsten Tag wieder hochkonzentriert am Unterricht teilnehmen soll. Unter diesen Umständen überrascht es kaum, dass mehrere Schüler mit dem Tod bedroht werden, sich aber keiner von ihnen an einen Lehrer oder gar die Polizei wendet…

 

Anhand der Sprache merkt man, dass es sich bei der Autorin Sophie Richmond um eine noch sehr junge Autorin handelt. Die verwendeten Sätze sind kurz und einfach gehalten, der Satzbau ist teilweise etwas holprig, vor allem die Dialoge klingen unnatürlich gestelzt, das Vokabular wirkt etwas eingeschränkt, was zu vielen Wiederholungen führt.

 

Das Thema, Mord an einer Ballettschule, klingt an sich durchaus interessant. Leider hat die Autorin für das Genre die falschen Schwerpunkte gesetzt, wodurch der Ballett-Thriller zwar viel vom Ballett und von Teenagerliebschaften erzählt, jedoch den Thrill vermissen lässt und mich dadurch nicht packen konnte. Der Täter wird zum Schluss einfach aus dem Hut gezaubert und die Motive präsentiert, ohne dass sich das Buch wirklich mit dem Mord befasst hätte. „Thriller“ ist hier also definitiv die falsche Bezeichnung, „Teenagerromanze“ würde es wohl besser treffen.

 

Mein Fazit

Leider ist der Thriller unrealistisch und ihm fehlt der Thrill, die Spannung.

Quelle: http://aglayabooks.blogspot.ch/2016/04/todlicher-tanz.html